Geschichtlicher Abriss

Allgemeines und Informatives

Ein geschichtlicher Abriss über die Nutzung und Verbreitung des Roten Wesersandstein in den verschiedenen Epochen der letzen Jahrhunderte:

Unter dem Einfluß der römischen Kultur kam auch in Deutschland die Steinbauweise allgemein auf. Der Wesersandstein gehörte zu den ersten Natursteinen, die hierzu Verwendung fanden. Seit dieser Zeit gibt es das Steinbruchgewerbe im Solling

Je nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der einzelnen Zeitepochen blühte das Handwerk der Steinbrecher und Steinmetze auf oder erlitt einen Rückgang. Es hat sich aber bis in unsere Zeit halten können.

Eine der ältesten Zeugnisse für die Verarbeitung des Buntsandsteins des Sollings ist die 822 errichtete Benediktinerkirche von Corvey. Viele Kirchenbauten folgten im 12. und 13. Jahrhundert (Höxter, Amelungsborn)

Bei Privathäusern fand der Buntsandstein in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts allgemein Eingang.

Nachdem man schon bei Burgen und Schlössern die brandverhütende Wirkung der Sollingplatten auf den Dächern erkannt und genutzt hatte, wurden nun auch die privaten Bauten mit Platten eingedeckt. Aus diesem Grund verschwanden nach und nach die strohgedeckten Häuser in der Umgebung des Sollings.

Aber auch außerhalb des Sollings erkannte man die Vorzüge des Steins. So waren 1587 im Amt Fürstenberg-Holzminden 84 Steinkuhlen in Betrieb, deren Erzeugnisse (meist Platten) auf der Weser über Holzminden nach Bremen verkauft wurden. Das Geschäft mit den Steinen blühte derart auf, dass es keine 100 Jahre später das Hauptgewerbe im Solling war, wobei der zunftmäßige zugeordnete Berufsstand der Steinbrecher erblich war. Noch 1830 war der Buntsandstein ein wichtiges Ausfuhrgut.

Die Weserschiffe nahmen die Steine als Rückfracht bis nach Bremen mit. Von dort gelangten sie als Ballast für die Segelschiffe nach Holland und sogar nach Süd- und Nordamerika (mit Schiffen, die chilenischen Salpeter und Baumwolle transportieren.)  So kommt es, dass viele Kirchen-, Privat- und Brückenbauten in Amerika aus unserem Weserbergland-Material gebaut worden sind. Auch die Freiheitsstaue in New York steht auf einem Sockel aus Wesersandstein. Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt nahm der Export schnell ab und hörte Ende des vorigen Jahrhunderts fast ganz auf.

Auch in Deutschland fand der Sollingstein vielfältige Verwendung. Die Platten wurden sowohl als Dachsteine und –besonders auf der Wetterseite- als Behangplatten für die Fachwerkhäuser verwendet als auch als Belag für den Küchen-, Dielen- und teilweisen für den Stubenboden.

Im Gegensatz zu den Platten wurden die Quader zu Grundmauern und Futtertrögen verarbeitet. Es setzte dann ein Wandel zum Werkstein hin ein, der Verwendung bei öffentlichen Gebäuden und Brückenbauten fand.

(Ein wichtiger Bereich für den Sollingstein darf nicht unerwähnt bleiben: Die Denkmalbauten)

Der Höhepunkt des Sollingsteingewerbes lag in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Um geordnete Zustände im Steinbrechgewerbe herbeizuführen, wurden Steinvögte eingesetzt, die den Steinhandel überwachten.

Weiterhin entstand die Zunft der Steinbrecher, sowie eine Steinfaktorei in Holzminden (Holzmindener Steinhof). 1828 wurde hieraus die Administration der Sollinger Sandsteinbrüche, die die gesamte Ausbeutung der staatlichen Sollingsteinbrüche von der Braunschweigischen Regierung übertragen bekam. Dies macht auch verständlich, dass Holzminden der Hauptverladeplatz wurde. 1874 ging die Administration an die Firma Haarmann und Co. über.

Um die Jahrhundertwende waren aber immerhin noch 60 Steinbrecher, über 100 Steinhauer und etwa 20 Hilfsarbeiter allein in den Negenborner Steinbrüchen beschäftigt. Eine neue Blütezeit erlebte das Gewerbe durch den Reichsautobahnbau. Die 416 Meter lang und 50 Meter hohe Werrabrücke wurde aus 72 000 Wesersandsteinen gebaut, davon allein aus Negenborn 125 Kilometer Ecksteine, die teilweise einzeln ein Gewicht von 90 Zentnern hatten; weiterhin die Aulatalbrücke im Kreis Hersfeld und die Arensburgbrücke bei Rinteln. Diese Brücken stellen die höchsten Bauten im ganzen Autobahnbau dar.

Durch den zweiten Weltkrieg kam die Steinbruchindustrie fast völlig zum Erliegen. Nach Kriegsende erholte sie sich langsam. 1949 waren schon wieder 71 Betreiben von Sandsteinbrüchen im Kreis Holzminden gemeldet. Damit standen sie in der Natursteingewinnung in Niedersachsen an der Spitze.